Hofbühne beim Nonstock 2018
Hofbühne beim Nonstock 2018

Die Farmer’s Edition mit Retrogott, Goldroger, Cosby, Leoniden, Glanville, Grizzly, Van Holzen und Adam Angst


Am Ende des kleinen Dorfes Nonrod im idyllischen Fischbachtal findet seit genau 20 Jahren beinahe jährlich ein Festival statt, das so wahrscheinlich einzigartig ist. Trotz der Einwohnerzahl von gerade einmal etwas mehr als 100 Leuten, durfte das kleine Dorf im hessischen Odenwald in der Vergangenheit bereits musikalische Größen wie Casper, Kraftklub, Audio88 & Yassin, Slime und Feine Sahne Fischfilet Willkommen heißen. Doch vor allem regional hat sich das Festival einen Namen gemacht und achtet jedes Jahr auf’s Neue darauf, auch lokalen Künstlern wie 8kids, Unleash the Sky oder Mädness & Döll eine Bühne zu geben. Die Booking-Abteilung beweist außerdem jedes Jahr auf’s Neue ein gutes Händchen indem sie immer wieder aufstrebende Bands arrangiert (wie zuletzt Okta Logue oder Leoniden), die man im nächsten Jahr in den Line Ups der ganz großen Festivals finden kann.

Nach mehreren Jahren auf der „Kulturwiese“ des extra gegründeten Festival-Vereins, findet das Nonstock Festival seit 2016 nun wieder auf dem „Röderhof“ statt. Hier, auf dem kleinen urig-hessischen Bauernhof, ist das Festival einst entstanden. Nach einem finanziell schwierigen Jahr mit sehr schlechtem Wetter und geringen Besucherzahlen, wurde schließlich die „Farmers Edition“ von dem Team aus gemeinnützigen Helfern als Lösung präsentiert. Inzwischen hat sich das neue Konzept mit deutlich weniger Besuchern etabliert und auch in diesem Jahr punktet das Festival mit seiner friedvollen Atmosphäre und dem vielfältigen Kultur-Programm.

Festival-Campen im Odenwald / Nonstock Farmers Edition 2018

Sonne, gute Laune und Apfelwein. Das ist das Bild, was sich einem eröffnet, wenn man mit dem Auto am Hof vorbei zu den vielen Wiesen oberhalb des Dorfes fährt, die nun als Parkplätze dienen. Die ohnehin schon ungezwungene Festival-Stimmung wird rund um den Röderhof noch weiter ausgedehnt – man kennt sich einfach. Beinahe jeder, der aus der Gegend kommt und sich für Kultur interessiert, gerne auf Konzerte geht oder einfach nur für einen Tag mal sehen will, was die Verrückten in Nonrod da eigentlich schon wieder veranstalten, ist auf dem Festival zu finden. Nachbarn, Familie und Freunde laufen sich über den Weg, während die letzten Vorbereitungen getroffen werden und die ersten Besucher bereits ihre Zelte aufbauen. Neben der „Hofbühne“ mit den Haupt-Acts gibt es noch die „Hallenbühne“ in einer nahegelegenen Scheune. Hier kann man auf alten zusammengestellten Sesseln und Sofas Poetry Slams, Kurzfilme oder Interviews mit Künstlern ansehen. Wem das noch zu wenig ist, findet spätestens auf der „Wiesenbühne“ etwas, was ihm gefällt. Hier spielen vorwiegend akustische Bands und Liedermacher. Wer außerdem vor Ort campen möchte, kann sich entscheiden, ob er sein Zelt auf dem „Party-Campingplatz“ bei der Wiesenbühne mit Bar und einem großen gemütlichen Lagerfeuer aufbauen möchte oder nicht doch lieber auf die etwas abgelegenere, ruhigere Wiese gleich neben der Kuhweide zieht. Für allgemein gutes Essen sorgen verschiedene Essenswägen vor der Hallenbühne.

Doch neben Poetry-Slam, Yoga- und Tanz-Workshops, Kräuterwanderung und Flunkyballturnier gibt es natürlich auch gute Musik. Wie jedes Jahr bedient das Festival hierbei die unterschiedlichsten Musik-Spaten. Im Mittelpunkt stehen dabei jedoch immer HipHop-Acts und Indie-/Rock-Bands. In diesem Jahr sind das unter anderem Retrogott und Goldroger auf der einen und Cosby und Leoniden auf der anderen Seite. Wie bei Rock im Park ist es natürlich auch bei Nonstock der Fall, dass man wegen der Fülle an Programmangeboten nicht alles sehen kann; auch wenn man das gerne würde. Wen ich aber nicht verpasse, sind die diesjährigen Vertreter des Metal-Genres. Glanville, eine neue Band aus Darmstadt, bringt optisch und klanglich ganz in Manier der  frühen „New Wave Of British Heavy Metal“ schönen Heavy Metal und wirkt dabei super routiniert. Grizzly hingegen spielt Gute-Laune-Metalcore mit Ohrwurm-Charakter. Kennengelernt beim Schlossgrabenfest freue ich mich, endlich wieder zu ihren Liedern moshen zu können. Außerdem besonders ist die Band Van Holzen, die mit ihrem melancholisch angehauchten Hardcore-Punk mit deutschen Texten an Heisskalt erinnert. Eine weitere Band, über dessen Auftritt beim Nonstock ich mich sehr gefreut habe, ist Blond aus Chemnitz. Doch sie sind nicht die einzigen, die im Bühnenprogramm auffallen. Der Samstagmorgen wird mit dem örtlichen Posaunenchor eingeleitet. Die verkarterten Festival-Besucher sitzen auf den Paletten rund um die Feuerstelle an der Wiesenbühne und unterstützen die Blechbläser lautstark mit Rasseln und Schellenkränzen aus einem herumliegenden Korb. Gerade diese verrückte Vielfältigkeit im Programm, der Bogen zwischen Posaunenchor zur Heavy-Metal-Band, zeichnet das Nonstock Festival aus und begeistert die Zuschauer Jahr für Jahr.

Und auch die schier unerschöpflichen Band-Kontakte des Teams sind für das Festival Gold wert. So verhindert die spontane Vertretung von Adam Angst durch die Leoniden, dass der Samstag aufgrund eines Notfalls ohne Headliner auskommen muss. Die Leoniden sind eine junge, dynamische, hoch motivierte Band aus Kiel, die für ihre energiegeladenen Konzerte bekannt sind. Schon im letzten Jahr verwandelten sie das Innenleben des Röderhofs zu einer einzigen bunten Party. Ihre Indie-Musik, die bei scheinbar jedem Gute Laune hervorruft, sorgte damals wie in diesem Jahr für einen circle pit über den ganzen Hof mit Sänger Jakob Amr samt Trommel und Kuhglocke in der Mitte. Und mit dem ungezwungenen Tanzen zur Musik der Leoniden unter den wohlwollenden Blicken der Großmutter Röder, Besitzerin des Bauernhofs, die sich das Spektakel aus einiger Entfernung von einer erhöhten Treppe aus ansieht, endet das diesjährige Nonstock Festival.