

Die Baba Shrimp Gang ist eine Indie-Pop Band aus Darmstadt, die seit 2022 aus der lokalen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Im gleichen Jahr erschien ihre erste Single „Mofa“. Gegründet wurde die Band von Bassist Aaron und Frontsänger Daniel. Durch das gemeinsame Studium in Darmstadt kamen Keyboarder Joschi und Drummer Martyn dazu. Mittlerweile ist die, mit Trompeter Henrik insgesamt fünfköpfige, Truppe schon fast Stammgast auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt. Zusammen haben die Freunde schon einige Festivalauftritte und kleinere Konzerte gespielt. Bisherige Highlights: Support Act für Kaffkiez in Rosenheim und die Mainstage am Schlossgrabenfest 2024.
Ein weiteres besonderes Ereignis für die Band war ihre erste selbstorganisierte Headliner- Club- Show am 20. März 2026 in der Centralstation in Darmstadt. Diese spielten sie zusammen mit der ebenfalls aus Darmstadt stammenden Band Scheiba.
Wie sich das alles nebenher mit einem Studium und Privatleben vereinbaren lässt, welche Hürden in der deutschen Musiklandschaft auf einen warten und wie sie das alles organisiert bekommen, erzählen Joschi und Aaron im Interview.
Von Maja Eckstein
Wie kam es zu der Bandgründung?
Aaron: Daniel und ich haben schon seit 2017 zusammen Musik gemacht, ohne dass das einen Namen hatte. Wir haben verschiedene Sachen gemacht, ein bisschen Hip-Hop, ein bisschen Singer-Songwriter-Krams. Daniel wollte erst nicht so richtig in einer Band spielen, aber so nach und nach haben wir immer mehr Material gesammelt. Irgendwann haben wir dann gesagt: Ey, wir hätten Bock, das wirklich als Projekt zu machen. Also habe ich ein paar Leute angefragt und dann hat es immer mehr Form angenommen. Dadurch, dass ich damals schon in einer Band gespielt hatte, hatte ich ein paar Kontakte zu anderen Musikern, darunter auch Henrik, unserem jetzigen Trompeter. Corona hat allerdings ziemlich reingehauen, weil es in unserer Gründungsphase war. Als die Pandemie dann rum war und wir viel Zeit hatten, neue Songs zu schreiben, kam der Moment, wo wir dachten: Jetzt können wir wirklich damit auf die Bühne gehen.
Wolltet ihr schon immer Musiker werden?
Aaron: Ich ja, Daniel glaube ich nicht so. Ich habe bereits mit 14 Jahren in den ersten Bands gespielt und ich hatte das schon immer als Wunsch oder Traum. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, Joschi, du machst ja auch schon ewig Musik eigentlich, ne?
Joschi: Ja, ich habe gerade auch überlegt. Ich habe mich ja ein bisschen bei euch ins gemachte Nest gelegt, als der Keyboarder ausgefallen ist.
Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt, weil ich das in diesem professionellen Rahmen noch nicht kannte. Ich dachte, man trifft sich zum Proben und dann sagt mal jemand ab. Dass man Konzerte spielt, war mir nicht so richtig bewusst. Als dann Aaron meinte, dass das schon ein bisschen professioneller ist und Commitment bedeutet, war ich am überlegen, was er denn genau damit meint. Ich bin zur Probe gegangen und es hat mir echt sehr viel Spaß gemacht. War auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung
Wie kam es zu dem Namen?
Aaron: Bei Forrest Gump gründet Forrest Gump eine Firma mit dem Namen „Baba Gump Shrimp“. Als wir angefangen haben Musik zu machen, mussten wir auf Daniels altem MacBook einen Interpreten eingeben, damit man die Musik auf iTunes abspeichern konnte.
Daniel hatte eine Mütze auf, auf der „Baba Gump Shrimp“ stand und dann habe ich gesagt, dass wir jetzt „Baba Shrimp Gang“ heißen. Das ist uns bis heute geblieben. Das ist die dumpfe Geschichte dahinter. Wir wollten keinen Namen haben, der mit irgendeiner Bedeutung aufgeladen ist. Früher oder später findet man es dann doch eh kacke.
Gibt es bei euch eine genaue Rollenverteilung?
Joschi: Beim Songwriting würde ich sagen, dass Daniel, Aaron und ich das Kernteam sind. Daniel macht hauptsächlich die Texte, aber er kriegt auch immer von Aaron ein bisschen Feedback. Die Musik ist dann ein Ding von uns dreien. Bei so kreativen Prozessen muss man es nehmen, wie es entsteht. Oft kam Daniel auch schon mit Akkorden und Text um die Ecke.
Aaron: Das funktioniert auch ziemlich gut, weil er am ehesten ein Gefühl dafür hat, wie sich das Musikalische dazu anfühlen könnte.
Joschi: Genau und wenn uns das gefallen hat, haben wir zusammen dran weitergearbeitet.
Und wer organisiert hinter den Kulissen?
Joschi: Die Band- Orga machen auch nur Daniel und Aaron. Die Arbeit wird aber versucht auf uns drei aufzuteilen.
Aaron: Was das Booking angeht, sind wir mittlerweile seit Mitte letzten Jahres bei einer Bookingagentur. Dadurch wird uns auf jeden Fall ein Teil der Arbeit abgenommen. Die ganzen Konzerte und der Kontakt zu den Veranstaltern laufen aber über mich. Daniel macht alles, was mit Finanzen zu tun hat. Rechnungen schreiben, Steuererklärung machen und Videoschnitt. Joschi ist ein bisschen zwischendrin und überall dabei.
Henrik organisiert zum Beispiel alles, was mit unseren Fahrten zu tun hat. Er leiht Hänger aus, plant die Routen, Treffpunkte und alles Drum und Dran.
Wie läuft bei euch ein Tag im Studio ab?
Aaron: Wenn wir im Studio sind, muss nicht jeder dabei sein. Wenn wir sagen, wir nehmen jetzt erstmal eine grobe Struktur vom Song auf, dann sind meistens mehrere Leute dabei, damit jeder sein Instrument einspielt. Oft ist es dann so, dass wir noch einige Termine brauchen, an denen aber nur einzelne Leute ins Studio gehen. So baut sich dann der Song auf.
Welche Herausforderungen habt ihr als Band eurer Größe?
Aaron: Wir hatten zum Beispiel schon mal mit unserer Agentur gesprochen, ob wir mal so eine kleine Tour ins Auge fassen wollen. So vier Städte oder sowas. Kleine Locations. Aber es ist einfach ziemlich teuer. Das ist für eine Band unserer Größe nicht so leicht. Ich glaube, dadurch, dass wir eben vieles noch selbst machen müssen, müssen wir echt immer unsere Zeit gut einteilen und gucken, wo es sich für uns lohnt, zu investieren. Ich meine, wir verdienen ja damit in dem Sinne kein Geld. Wir bekommen natürlich schon Gagen und im Sommer kommt auch ein bisschen was zusammen. Aber das wird alles sofort direkt wieder investiert. Ein Studio zu mieten, neues Equipment anschaffen- das ist alles sau teuer.
Joschi: Wenn man ein bisschen draufzahlt ist das okay, aber ich glaube in unserem Fall wäre das ein bisschen zu teuer. Um fair zu sein, wissen wir es ja auch nicht. Die Selbstorganisation würde zusätzlich bei uns auch noch anfallen. Außerdem arbeitet der Großteil der Band ja auch noch in Teilzeit nebenbei. Das ist dann schon so, dass man sich für die Band immer wieder Zeit nehmen muss. Man hat schon feste Termine, also in der Woche, dass man sich immer regelmäßig trifft. Aber alles, was halt darüber hinaus anfällt, muss man immer zwischenquetschen.
Ist es „nur noch“ ein Hobby für euch?
Aaron: Gerade für 99% aller Bands in Deutschland ist es so: Wenn du dafür 20 Stunden pro Woche investieren musst, kannst du es nicht mehr „Hobby“ nennen. Man muss es immer in den Alltag einbauen und gucken, dass man noch genug Geld nebenher verdient. In Deutschland gibt es gute Strukturen für absolute Newcomer, die keiner kennt und es gibt Strukturen für richtig bekannte Großbands. Wir sind so ein bisschen in der Mitte. Wir haben schon erste Erfolge und wir haben auch schon erste geile Konzerte. Wir sind noch nicht so richtig bekannt, wir sind aber auch nicht mehr richtig unbekannt. Es gibt wenig, bei dem man dann an die Hand genommen wird. Man muss einfach selbst viel hustlen. Zum Beispiel hatten wir seit Dezember keinen Proberaum mehr, weil wir aus unserem in Darmstadt raus mussten, so wie sieben andere Bands auch. Unter anderem auch Scheiba. Es gibt in Darmstadt kaum noch Proberäume. Es wurden in den letzten Jahren viele Räume gekündigt und diese Räume werden für Bands immer kleiner. Wenn du als Band keinen Raum hast, dann kannst du halt keine Band sein.
Wie wird es für euch in Zukunft weitergehen? Wie glaubt ihr, wird es sich entwickeln?
Joschi: Das ist schwierig. Es gibt immer die Sommerzeit, in der man weiß, warum man das macht. Den ganzen Hustle und den ganzen Aufwand, die Live-Shows, die so Spaß machen, das Sich- Treffen und dann auf einem Festival stehen. Das ist einfach sau cool. Im Winter ist dann immer eine Trockenphase, in der man nur Songwriting oder Social Media macht. Social Media ist ein Ding, was uns alle immer wieder stresst und auch nervt. Aber es gehört eben dazu. Der Spaß ist dann ein bisschen weg. Man macht es dann, um sich wieder nach vorne zu bringen.
Aaron: Für mich persönlich sind wir mit der Band an einem Punkt, den ich mega cool finde, wo ich nie gedacht hätte, dass wir da hinkommen. Wir haben schon vieles gemacht, was so auf meiner persönlichen Musiker-Bucketlist stand. Eine eigene Tour wäre schon noch was Geiles. Das wäre noch ein Punkt, der bei uns fehlt. Die muss nicht mal groß sein, aber am allerliebsten mit einem Nightliner. Wenn es jetzt so bleibt, dann will ich das so lange noch machen, wie es zeitlich und finanziell für mich möglich ist. Es ist halt auch sehr glücksabhängig. Auf einmal kriegst du eine DM von Kaffkiez, ob du Support spielen willst. Das kommt ja völlig aus dem Nichts.
Könntet ihr euch auch vorstellen, das als Vollzeitjob zu machen?
Joschi: Es muss sich irgendwie tragen. Wenn wir Ende des Jahres bei Null rauskommen, dann muss sich die Zeit, die man investiert, auch gelohnt haben. Man muss ja von irgendwas leben. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, ja.
Aaron: Vom Prinzip her Ja. Ich glaube ehrlich gesagt, dass es Ultra anstrengend ist. Ich kann es nicht 100% mit Ja beantworten. Für mich wäre es optimal 50% festangestellt zu sein und 50% Mucke zu machen, damit man nicht 100% abhängig von der eigenen Kunst ist. Denn das ist ein Problem. Ich glaube, wenn das der Fall ist, fängt man am ehesten an Kompromisse zu machen. Wenn ich weiß, dass wenn ich das jetzt so mache, dann kann ich meine Miete vielleicht mit der Musik bezahlen, aber wenn ich es nicht mache, dann kommt dafür kein Geld rum. Dafür kann ich mir selbst als Künstler dann nicht treu bleiben. Ich glaube, nur das alleroberste Prozent aller Bands oder KünstlerInnen schaffen es von der Musik zu leben. Als EinzelkünstlerIn ist das auch noch mal was anderes wie als Band. In Deutschland ist es durch die fehlende Förderung einfach kaum möglich, ein Einkommen für fünf Leute zu generieren. Das betrifft auch Bands, die schon relativ bekannt und erfolgreich sind, weil die Produktionskosten für Touren einfach so extrem hoch sind, dass selbst das Konzerte spielen, was immer die sicherste Einnahmequelle von allen war, mittlerweile ganz schön zu bröckeln beginnt. Von daher: Ich persönlich hätte lieber eine feste Einkommensquelle, um dann keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich habe früher immer diesen Traum gehabt. Aber so nach und nach, je länger man in diesem Business aktiv ist und mit verschiedenen Leuten und Agenturen und anderen Musikern redet- man lernt davon.
