

Mit gerade einmal 23 Jahren ist Darius Blair bereits fest in der Jazzszene verankert — und dabei erst am Anfang seines musikalischen Weges. Der aus Maintal stammende Saxofonist konnte sich bereits früh mit seiner Musik selbstständig machen und bewegt sich dabei bewusst zwischen Genres und Klangwelten. Im Interview spricht er über seinen musikalischen Werdegang, seine verschiedenen Bandprojekte, prägende Erlebnisse auf der Bühne und darüber, warum Veränderung für ihn der Schlüssel zu kreativem Arbeiten ist.
Von Joelle Kurz und Sophie Leonhardt
Wie hast du zum Saxofon spielen gefunden?
Ich habe mit neun Jahren angefangen, Saxofon zu spielen. Meine Eltern sind große Jazz-Liebhaber und haben mein Interesse für Musik schon sehr früh geweckt. Bereits damals wurde mir klar, dass ich später gern mein Geld mit Musik verdienen würde. Wirklich ernst genommen habe ich das Saxofonspielen dann zu Beginn meiner Teenagerjahre. In dieser Zeit bin ich auch ins Landesjugendjazzorchester gekommen.
Gab es einen Moment, in dem du wusstest: Ich will Berufsmusiker werden?
Wenn man ein Kind ist, malt man sich aus, was man irgendwann werden will: Bei anderen war es Feuerwehrmann, Tierarzt oder Polizist – ich wollte Musiker werden. Über die Jahre habe ich viele Menschen kennengelernt, die Musik mit echter Leidenschaft machen. Besonders prägend war mein erster Jazz-Lehrer: seine Begeisterung für Jazz, sein Wissen und seine Motivation, immer weiterzumachen, haben mich darin bestärkt, meinen Traum zu verfolgen und eine Karriere in der Musikbranche anzustreben.
Wie stehen deine Eltern zu deinem Berufswunsch?
Meine Eltern haben ich immer unterstützt. Sie haben mir zwar früh klargemacht, dass dieser Weg nicht leicht ist und viel Arbeit erfordert, aber sie haben immer an mich geglaubt. Auch heute sind sie bei vielen meiner Auftritte im Publikum — und wahrscheinlich meine treuesten Fans.
Du hast schon früh viel erreicht. Was hat es mit deinem Jazz-Stipendium auf sich?
Mit 14 habe ich während meiner Zeit im Landesjugendjazzorchester bei einem Auftritt einen Professor der Hochschule für Musik in Mainz kennengelernt, der auf Saxofon spezialisiert ist. Er hat mich dazu ermutigt, mich für ein Jugendstudium-Stipendium zu bewerben. Nach einem Vorspiel wurde ich angenommen und durfte bereits Vorlesungen besuchen. Das hieß für mich: morgens Schule, nachmittags Universität.
Was bedeutet Musik heute für dich – Leidenschaft oder Arbeit?
Etwa 90 Prozent von dem, was ich tue, hat mit Musik zu tun. Da ich noch nicht vollständig von meiner Musik leben kann, baue ich mir gerade viel auf: neue Bands, neue Projekte, neue Musik. Das macht mir sehr viel Spaß. Auf manchen Events, für die ich gebucht werde, muss Musik allerdings einfach funktionieren — das ist dann eher ein „Job-to-be-done“ und nicht immer pure Leidenschaft. In meiner Freizeit hingegen genieße ich das Saxofonspielen sehr und erfinde mich musikalisch immer wieder neu.
Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben?
Für mich ist Jazz nicht nur eine Stilrichtung, sondern eine Art, Musik zu machen. Es geht um Spontanität, Improvisation und darum, zu spielen, was ich gerade fühle. Dieses Prinzip wende ich auf verschiedene Genres an — Hip-Hop, Soul oder RnB. Wenn jemand aus der Band in eine bestimmte Richtung geht, gehen die anderen mit. Genau dort fühle ich mich zuhause.
Du spielst in verschiedenen Formationen. Worin unterscheiden sich diese Projekte?
Mein eigenes Projekt, das Darius Blair Quartett, ist eher klassischer Jazz. Die Stücke schreibe ich selbst, und es macht mir besonders viel Spaß, diese Musik auch live zu präsentieren. Discovery Collective ist dagegen deutlich moderner, mit elektrischen Sounds. Die Songs stammen dort von unserem Gitarristen Finn und haben einen ganz anderen Stil. Das Blair-Huber Duo mit Nico Huber ist wiederum etwas völlig anderes und hat fast gar nichts mehr mit Jazz zu tun. Ich ordne mich bewusst keinem festen Genre unter — Musik ist fluid und kennt keine Grenzen.
Wie erlebst du es, live vor Publikum zu spielen?
Das hängt stark davon ab, wie das Publikum mit einem interagiert. An guten Abenden gerate ich in eine Art Tunnel, ein High voller Inspiration und Ideen. Die besten musikalischen Momente entstehen für mich live auf der Bühne.
Gab es einen Auftritt, der die besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, definitiv unser Auftritt bei den Stuttgarter Jazz Open, bei dem wir als Vorband für eine Gruppe spielen durften, die lange ein Idol für mich war. Es war außerdem die größte Bühne, auf der wir bis dahin standen. Der Abend fühlte sich an wie ein Fiebertraum — im allerbesten Sinne.
Wie soll es für dich in den nächsten Jahren weitergehen?
Mein großes Ziel ist es, von meiner Musik leben zu können. Ich möchte Alben produzieren, neue Projekte realisieren und immer mehr spannende Persönlichkeiten aus der Musikwelt kennenlernen.
