

Ob durch den Blick der VR-Brille oder bei Führungen mit Gesprächsrunden – die Ausstellung im Hessischen Landesmuseum lässt Wolken erleben und verstehen. Ein Bericht von Gesa John.
Ein dunkler Gang, immer wieder ist lautes Donnergrollen zu hören und dann ein helles Licht: ein Blitz. Das Gefühl kommt auf, mitten in einem Gewitter zu stehen. Für diese Erfahrung sorgt der Wolkensaal, der den Auftakt zur Ausstellung „Wolken. Erleben und Verstehen” bildet. Hinter dem Vorhang geht es für die Besuchenden weiter im großen Saal des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, in dem die Ausstellung Platz nimmt. Hier ist auf den ersten Blick leicht zu erkennen, worum sich die Exposition dreht: Wolken. Denn direkt am Eingang steht ein großes 3D-Wolkenmodell, das verschieden hohe Wolkenschichten zeigen soll. Maßstabsgetreu schweben sie über einer Darmstadt-Karte. Auch im Hintergrund sind bereits projizierte Wolken an der Decke zu sehen.
Wolken erleben und verstehen
Woraus bestehen eigentlich Wolken? Welche Arten lassen sich unterscheiden? Und wie entstehen sie? Genau diese Fragen und viele weitere werden in der von Kuratorin Dr. Daniela Matenaar konzipierten naturwissenschaftlichen Ausstellung vom 22. August 2025 bis zum 11. Januar 2026 beantwortet. Dabei helfen Infotafeln, Medienstationen und anschauliche Modelle. Zu Letzterem zählt beispielsweise die Nebel- oder Wolkenkammer, ein Gerät, das das Prinzip der Wolkenentstehung zeigen soll. Am Himmel passiert das durch aufsteigende warme Luft, die in der Höhe abkühlt. Danach kondensiert sie an winzigen Staub- oder Schmutzpartikeln (sogenannten Kondensationskernen). Diese setzen sich schließlich zu einer sichtbaren Wolke zusammen. Die Nebel- oder Wolkenkammer soll genau das zeigen: Hier ist radioaktive Strahlung von gasförmigen Radonen zu sehen. Anstatt Wasser, wie es bei Wolken der Fall ist, kondensiert hier Alkohol (Isopropanol) an Ionen. Diese sollen die Kondensationskerne in der Luft darstellen. Dadurch bilden sich weiße Schleier, die hier die gebildeten Wolken zeigen sollen.
Die Ausstellung bietet aber auch interaktive Möglichkeiten, sich mit dem meteorologischen Ereignis auseinanderzusetzen. Zum einen sind da der Nebelgang und das Wolkenzimmer. Hier gibt es die Option, durch Vorhänge mit aufgedrucktem Nebel hindurch zu laufen, die zu einer Treppe führen. Sie leitet zu einer Bank, auf der in den projizierten Wolkenhimmel geschaut werden kann. Eine weitere Alternative, Wolkenbilder zu betrachten, ist auch der sogenannte „Riesen-Gucki“. Dabei handelt es sich um einen Kasten, in dem verschiedene Wolken-Fotografien auftauchen. Doch ein Bereich aus der Exposition sticht besonders heraus: die VR-Station. Mit einer Virtual-Reality-Brille können dramatische Wetterumschwünge mit Gewittern und Tornados beobachtet werden. Trotz nicht so guter Grafik entsteht durch den Sound und die beeindruckenden Videos das Gefühl, direkt in einem Tornado zu stehen. Auch die Besuchenden sind begeistert. „Für mich war die Beobachtung von Wetterereignissen mit der VR-Brille ein Highlight”, erzählt Jan, ein Informatikstudent an der Technischen Universität Darmstadt.
Mehr Informationen gibt es bei den Führungen mit Experten
Als besonders positiv beschreibt er auch die Rundgänge, die zur Sonderausstellung angeboten werden. „Besonders gut gefallen hat mir die Führung, bei der viele Fragen gestellt und ausführlich beantwortet wurden“, berichtet der Student. Er konnte mit seinem Studierendenausweis sogar kostenlos in die Ausstellung gehen und am Rundgang teilnehmen. Bei den Führungen handelt es sich allerdings eher um Fragerunden, bei denen offene Fragen an Experten gestellt werden können.

Eine dieser öffentlichen Gesprächsrunden wird von Dr. Axel Allgaier geleitet, der eine freie Tätigkeit am Museum ausübt und aus reinem Interesse an der Meteorologie diese Aufgabe übernommen hat. Der Lehrer an einer Förderschule ist begeisterter Segelflieger und beschäftigt sich schon länger mit Wetterphänomenen. „Das beste Wetter für mich als Flieger ist ein Tiefdruckgebiet, da weiß ich, dass die kühle Luft am Boden ist und es am nächsten Tag schönes Wetter geben wird”, erzählt er. Unterstützung erhält er beim Beantworten der Fragen der Besuchenden durch Rob Roebling, der bei EUMETSAT (Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) arbeitet. „Unsere Aufgabe ist es, eigentlich nur zu beobachten, wie sich die warme und kalte Luft bewegt. Dann wissen wir auch, wie die Wolken ziehen“, sagt er. Während der Gesprächsrunde gibt er interessante Einblicke in Bereiche der Wolkenforschung, Folgen für den Klimawandel und seine tägliche Arbeit bei EUMETSAT.
Lohnt sich die Ausstellung?
Wer sich nicht mit Wolken auskennt und gerne mal in das Thema reinschnuppern möchte, könnte in dieser Ausstellung ganz richtig sein. Durch die interaktiven Elemente in Kombination mit fachlichen Informationen werden die Grundlagen zum meteorologischen Ereignis gut vermittelt und es entsteht keine Langeweile. Allerdings ist die Exposition nicht besonders groß und es wird nur ein kleiner Überblick über die Thematik gegeben. Der Meinung ist auch Jan: „Die Ausstellung war eher klein und ging naturwissenschaftlich nicht sehr tief.” Deswegen ist bei einem Besuch die Teilnahme an den angebotenen öffentlichen Führungen auf jeden Fall sehr empfehlenswert, um offene Fragen beantwortet zu bekommen. Alternativ verfügt das Museum auch über den Podcast „Das Grüne Sofa”, in dem in zwei Folgen in einer entspannten Atmosphäre mit Experten über die Sonderausstellung gesprochen wird. Eins ist nach dem Besuch der Ausstellung auf jeden Fall sicher: Die Besuchenden schauen danach mit ganz anderen Augen in den Himmel.
