Sängerin Nela mit einer roten Herz-Kette um den Hals
Nela © Ernst Golla
Sängerin Nela mit einer roten Herz-Kette um den Hals
Nela © Ernst Golla

Nela (Nele Johanna Cramer von Laue) startet im September 2025 ihre Karriere als Solosängerin. Seit ihrem ersten Gesangsunterricht im Alter von neun Jahren begleitet Musik ihr Leben. Sie erzählt, dass sie unterschiedliche Instrumente ausprobiert hat, doch keines sie wirklich gepackt habe; letztlich sei sie beim Gesangsunterricht geblieben. Im Interview spricht die 20-jährige Sängerin aus Steinbach (Taunus) über ihre musikalische Entwicklung, ihre Bühnenerfahrungen sowie ihren persönlichen Songwriting-Prozess – ein Kapitel voller spannender Erlebnisse, aber auch einiger Herausforderungen.

Von Gabriel Romano und Amber Ibold


Nela, du heißt mit Vornamen Nele. Warum dann Nela als Künstlername?

Das ist eine süße Geschichte. Ich habe lange überlegt, ob ich mir einen Künstlernamen zulegen möchte und wie ich mich generell nennen will, wenn ich Songs rausbringe. Zuerst hatte ich die Idee, mich einfach Nele zu nennen oder etwas mit meinem Zweitnamen Johanna zu machen, war mir aber die ganze Zeit unsicher. Mein Produzent aus Kanada, der nur Englisch spricht, hat mich dann immer „Nila“ genannt. Das fand ich sehr süß. In der Schreibweise, wie er jetzt ist, würden die meisten den Namen vermutlich als „Nela“ aussprechen – persönlich klingt er für mich jedoch wie „Nila“. Ich finde, er sieht gut aus und ist trotzdem noch nah genug an meinem eigenen Namen dran.

Musikalische Erfahrungen hast du bereits früh gesammelt – mit Gesangsunterricht angefangen, dann mit deiner Band Portland Avenue und heute als Solo-Sängerin. Wann und wie hat deine Verbindung zur Musik eigentlich begonnen?

Meine Eltern sind beide musikalisch. Mein Vater ist Schulleiter an der Musikschule Oberursel, und meine Mutter arbeitet bei einer Musikakademie. Beide haben ihr Leben lang Instrumente gespielt. Dadurch sind meine Schwester und ich ganz selbstverständlich mit musikalischer Früherziehung und verschiedenen Instrumenten aufgewachsen. Von Geige bis Cello habe ich alles ausprobiert, aber irgendwie hat mich nichts gepackt – am Ende bin ich beim Gesangsunterricht hängengeblieben. Das wurde meine große Leidenschaft.

Mit Portland Avenue warst du über ein Jahr aktiv und hast bei verschiedenen Veranstaltungen gespielt – vom Jugendfestival Oberursel bis zum Steinbacher Stadtfest. Welche Rolle hat diese Zeit für deine musikalische Entwicklung gespielt?

Auf jeden Fall Bühnenerfahrung. Davor bin ich immer nur im Rahmen von Klassenkonzerten meiner Gesangslehrerin Marleen Hornung aufgetreten. Meistens waren dort nur andere Schüler der Musikschule sowie deren Eltern und Freunde – also ein relativ kleines Publikum, und selbst dabei war ich schon sehr nervös. Ich bin keine krasse Rampensau. Es macht zwar viel Spaß, auf der Bühne zu stehen, aber es fühlt sich manchmal ein bisschen wie Rampensau-Spielen an. Ich frage mich dann die ganze Zeit, was ich da eigentlich mache. Mit Portland Avenue war das anders: Ich stand regelmäßig auf der Bühne, oft vor vielen Leuten. Das war sehr unterschiedlich, aber auch angenehm, weil ich mit den anderen zusammen war. Mit der Zeit hatte ich weniger Hemmungen und wirkte authentischer auf der Bühne. Diese Entwicklung war für mich eine klare Verbesserung.

Es wird dann leichter, je öfter man auf der Bühne steht?

Die Nervosität ist für mich eigentlich noch genauso stark, aber ich kann besser mit ihr umgehen. Alles wird vertrauter, wenn man es schon öfter gemacht hat. Am Anfang fühlt es sich erst furchtbar an, doch dann wird es schnell besser. Ich weiß zum Beispiel, wie ein Soundcheck abläuft. Ich kann dann besser planen, wie ich mich bewege, wie ich mit dem Publikum interagiere oder was ich zwischen den Songs sage. Letzteres ist für mich wirklich Horror. Mir fehlen da manchmal die Worte, und ich muss dann improvisieren und kurz überlegen, wie ich zum nächsten Song überleite. Aber auch das ist Übungssache, und irgendwann wird es gewohnter und ein bisschen weniger gruselig.

Auch wenn der Fokus mit Portland Avenue auf Cover-Songs lag, habt ihr mit „Spuren“ einen eigenen Titel live präsentiert. Wie ist dieser Song entstanden, und was habt ihr als Band aus diesem kreativen Prozess mitgenommen?

„Spuren“ habe ich vor etwa anderthalb Jahren am Klavier geschrieben, so wie die meisten meiner Songs. Viele wissen gar nicht, worum es inhaltlich geht – er kann zwar sehr traurig klingen, geht aber ursprünglich eher in Richtung eines akustischen Rocksongs. Ich habe den Song den anderen vorgespielt, so wie ich es zuvor auch mit meinen eigenen Songs gemacht hatte. Ich wollte wissen, was sie davon halten und ob sie sich vorstellen können, ihn gemeinsam als Band zu arrangieren. Schon beim ersten gemeinsamen Versuch klang es so geil und genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir haben alle an diesen Song geglaubt, immer mehr ausprobiert und am Ende ein Ergebnis gehabt, das wir alle geliebt haben. Tatsächlich ist es auch der Song, der am Ende das meiste und beste Feedback bekommen hat. Das freut mich sehr. Das freut uns alle sehr.

Seit Juli 2025 ist die Band aber nicht mehr aktiv. Irgendwann kam die Entscheidung, deine Karriere solo fortzusetzen und nicht mehr als Band. Wurde diese Entscheidung gemeinsam getroffen oder hast du dich bewusst für einen eigenen Weg entschieden?

Also komplett aufgelöst haben wir uns nicht. Katha, die Schlagzeugerin, und Sophia, die Bassistin, sind beide zum Studieren weggezogen. Dadurch sind regelmäßige Proben nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass ich inzwischen meine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau begonnen habe und mit einer 40-Stunden-Woche aktuell kaum Raum für größere Bandprojekte bleibt. Im Sommer hatten wir noch ein sehr strammes Programm mit vielen Festivals und Stadtfesten – fast einen Monat lang hatten wir jedes Wochenende einen Auftritt mit einem ein- bis anderthalbstündigen Programm. Diesen Kontrast hatte ich so nicht erwartet, denn nach dem Sommer kam plötzlich gar nichts mehr. Eigentlich hätten wir uns aktiv um neue Auftritte kümmern müssen, dafür wären aber Proben nötig gewesen, was im Moment einfach nicht machbar ist. Deshalb haben wir die Band erst einmal mehr oder weniger stillgelegt, was wir alle total schade finden. Mit den beiden anderen, Dominik und Eylül, unseren Gitarristen, bin ich weiterhin in Kontakt. Wir würden gerne neue Bassisten und Schlagzeuger finden, um als Band weitermachen zu können. Das ist allerdings schwierig, weil viele entweder Geld dafür verlangen oder bereits in einer eigenen Band spielen. Am besten ist es wohl, sich an verschiedenen Hochschulen umzuhören, ob jemand Interesse hätte. Bis dahin mache ich erst einmal ein bisschen Musik alleine – einfach für mich.

Inzwischen gehst du deinen eigenen Weg als Solo-Sängerin. Mit deiner Debüt-Single „SHE“ trittst du auch als alleinige Komponistin in Erscheinung. Wie ist dieser Song entstanden?

„SHE“ ist noch älter als „Spuren“. Vor vier Jahren habe ich den Song geschrieben – auch wieder am Klavier. Ich habe zunächst mehrere Songs gesammelt und sie dem Produzenten geschickt. Von den verschiedenen Demos hat er „SHE“ am besten gefunden und mich gefragt, ob wir den Song als Erstes ausarbeiten und veröffentlichen wollen. Den genauen Ausgangspunkt weiß ich gar nicht mehr. Es geht jedenfalls nicht um eine bestimmte Person, vielmehr ist der Song aus einer spontanen Stimmung heraus entstanden – ein Mischmasch aus ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Ich habe am Klavier ein wenig herumgeklimpert, ein paar Zeilen dazu geschrieben, und irgendwann haben sich Akkorde und Text ganz natürlich zusammengefügt. Daraus ist schließlich ein Eifersuchtssong geworden. Nach etwa einer halben Stunde Ausprobieren ist das Stück im Kern erstaunlich fertig gewesen. Der Feinschliff ist natürlich später gekommen, aber das Grundgerüst hat da bereits gestanden.

Mit Steve Dierkens hast du einen Produzenten an deiner Seite, der deinen Künstlernamen geprägt und deine erste Single produziert hat. Wie kam der Kontakt zu dem kanadischen Produzenten zustande?

Der Kontakt ist über meine Gesangslehrerin Marleen entstanden. Ihr Freund arbeitet mit dem Produzenten Nick Johnston zusammen, der auch Steve kennt. So haben sich die beiden kennengelernt und über die Jahre eine enge, freundschaftliche Zusammenarbeit aufgebaut. Irgendwann hat meine Gesangslehrerin Steve von mir erzählt, weil ich begonnen hatte, eigene Songs zu schreiben und sie bei Klassenkonzerten zu präsentieren. Daraufhin habe ich ihm ein paar Demos geschickt – ganz simpel mit dem Handy aufgenommen, wie ich am Klavier singe. Kurz darauf haben wir bereits angefangen, gemeinsam zu arbeiten.

Hat sich durch die Soloarbeit deine Arbeitsweise beim Songwriting oder bei kreativen Entscheidungen verändert?

Das Songwriting kommt hauptsächlich von mir, ich habe eigentlich immer allein geschrieben. Die Arrangements habe ich gemeinsam mit der Band entwickelt, weil ich dafür die anderen Instrumente gebraucht habe, die Lyrics schreibe ich aber selbst. Als ich mit dem Gesangsunterricht angefangen habe, hat mir Marleen damals auch das Songwriting beigebracht. Sie gibt mir bis heute oft weitere Tipps oder Denkanstöße, wenn ich etwas Neues schreibe. Viel hat sich daran aber nicht verändert – an sich ist es eine ganz natürliche Entwicklung. Ich lerne immer ein bisschen mehr dazu, entdecke im Alltag andere Künstlerinnen und Künstler oder Songs, die mich inspirieren, und das bringt mich im Songwriting-Prozess weiter.

Neben dem Songwriting: Gibt es weitere Bereiche der Musikproduktion, die dich besonders reizen?

Generell reizen mich die Song- und Videoproduktion. Leider kenne ich mich damit noch viel zu wenig aus, würde das aber gerne ändern. Bisher wurden meine Songs ausschließlich von anderen produziert. Ich war von Anfang an immer dabei, mit Mixing und Mastering kenne ich mich aber nicht ausreichend aus. Auch die Videoproduktion habe ich miterlebt: Katha, die frühere Schlagzeugerin von Portland Avenue, hat das Video zu „SHE“ gemacht. Dadurch weiß ich intuitiv mehr als jemand, der diesen Prozess nie gesehen hat. Wie ich das Ganze selbst zusammenschneide, wie man ein Gespür dafür entwickelt, was gut aussieht, und wie die Kamera positioniert wird – all das weiß ich leider noch nicht. Ich möchte mich da in Zukunft auf jeden Fall mehr reinfuchsen, weil mich dieser Bereich sehr interessiert.

Woran arbeitest du aktuell musikalisch, und was können wir in nächster Zeit von dir erwarten?

Ich arbeite gerade an einer kleinen EP, also einem kurzen Album. Dazu wird bald wieder ein Musikvideo kommen. Im Moment sammle ich Material: Ich habe etwas mehr als die Hälfte der Songs schon beisammen, da sie nach und nach fertiggemacht werden. Übrigens sind alle diese Songs auf Deutsch. Die Single „SHE“ war zunächst auf Englisch, aber inzwischen habe ich viel auf Deutsch ausprobiert und versucht herauszufinden, welche Sprache mir mehr Spaß macht. Gerade plane ich gemeinsam mit Steve das Skript für die Arbeit an der EP. Wie lange wir daran sitzen werden, weiß ich noch nicht. Auch das Promoten steckt voller Arbeit: Wir müssen zuerst ein Covershooting machen, um überhaupt ein Snippet auf TikTok hochladen und so Werbung machen zu können, bevor ein Song rauskommt. Sich dann auch technisch reinzufuchsen, ist noch einmal eine eigene Sache – dazu gehört auch die Bürokratie. Erst vor ein paar Monaten haben wir etwas bei DistroKid hochgeladen, der Plattform, die Inhalte an alle Streaminganbieter vermittelt. Auch die Anmeldung bei der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) haben wir kürzlich erledigt.

Gibt es für dich aktuell konkrete Ziele oder Pläne für deine musikalische Zukunft?

Ich möchte eigentlich so weitermachen wie bisher und immer besser werden. Ein konkretes Ziel habe ich jetzt nicht – keine bestimmte Followerzahl oder auf einem bestimmten Event aufzutreten. Ich möchte generell mehr auftreten. Mit der Ausbildung ist Zeitmanagement jetzt sehr wichtig; ich muss besser planen, wann ich das umsetzen kann. Das ist mit der Band auch leichter gewesen, also sich gemeinsam für ein Stadtfest zu bewerben und dort zu spielen. Jetzt als Solokünstlerin ist es schwieriger, weil man erst noch Musiker dazu suchen muss. Wenn das mit der Band doch irgendwie klappt, wäre das mega. Ich meine damit, dass man zumindest einen Bassisten und einen Schlagzeuger extern holt, man sich dann trifft und gemeinsam noch einmal auftreten kann.

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