

Die Mainzer Sängerin Isabelle Steyer und der Bassist Dario Kelava sind musikalisch viel beschäftigt: Unter den Namen Chic Times, That’s Chic und Chicadelic sind sie zusammen unterwegs. Seit fast 20 Jahren treten sie mit Chic Times als 7-köpfige Coverband auf, unter dem Namen That’s Chic läuft ihr Lounge Cover Duo.
Das neueste Projekt der beiden trägt den Namen Chicadelic und bringt noch einmal eine ganz neue Komponente ein: endlich eigene Lieder. Gesungen wird auf Englisch und Deutsch, über Liebe, Umweltschutz und Fastnacht. Doch immer mit dabei ist ihr unverkennbarer Sound: Acid Jazz, Funk und Disco Pop prägen alle ihre Veröffentlichungen. Im Interview erzählen sie von ihrer langjährigen und vielseitigen Musik-Karriere.
Von Luisa van Dongen
Wie entstand euer Projekt Chic Times, was waren die Anfänge?
Isabelle: Da muss Dario anfangen, weil er der Anfang ist, sozusagen. (lacht liebevoll)
Dario: Als ich in der Musikschule angefangen habe Bassgitarre zu lernen, gab es da eine Art Rockband mit verschiedenen Musikern. Die Schule wurde geschlossen, aber wir haben überlegt weiterzumachen. Irgendwann kam dann Isa dazu und wir haben das Projekt weitergeführt. Am Anfang hießen wir noch gar nicht Chic Times, wir hatten verschiedene andere Namen. Der Name kam daher, weil wir die Band Chic und deren bekanntesten Hit „Good Times“ mögen. Der Name flowt einfach. Es gab kleine Besetzungswechsel, aber der Kern von früher ist heute noch da.
Was motiviert und inspiriert euch musikalisch?
Isabelle: Chic war natürlich ganz groß, allgemein diese Funk-Musik. Die Band Jamiroquai ist voll meins. Deren Sound geht in die Richtung Funky oder Acid Jazz, was wir sehr lieben.
Dario: Ja, alles was einen schönen Groove hat und tanzbar ist, wo der Rhythmus dich mitnimmt. Das, verbunden mit etwas spezielleren Akkorden, macht der ganzen Band Spaß.
Hattet ihr jemals den Druck oder das Bedürfnis, euch stilistisch festzulegen?
Isabelle: Bei Chic Times hatten wir mal selbstgemachten Druck. Da haben wir uns aber mittlerweile zum Glück wieder entfernt. Ich glaube, es gibt genügend Coverbands, die alles abdecken. Die ganzen Songs, die wir im Programm haben, sind Songs, die wir wirklich alle mittragen und mögen.
Dario: Gerade als Coverband haben wir überlegt, was wollen wir eigentlich? Wollen wir 40 Auftritte im Jahr haben und das als Geschäftsmodell vorantreiben? Wir haben alle ganz klar gesagt: Für uns steht der Spaß an der Musik an erster Stelle. Wir spielen nur die Songs, hinter denen wir wirklich stehen, selbst wenn das heißt, dass wir dadurch vielleicht ein paar weniger Auftritte haben.
Warum habt ihr euch nach der langen Chic Times Zeit dazu entschieden, auch als Duo aufzutreten?
Isabelle: Wir wollten uns weiterentwickeln. Gerade die Lounge-Projekte sind sängerisch ein wenig anspruchsvoller. Gesanglich kann man aus etwas getrageneren Songs viel mehr rausholen und an den Feinheiten arbeiten.
Dario: Und Isa hat das schon immer Spaß gemacht. Es war dann die logische Konsequenz, dass wir gesagt haben: Lass uns dieses Hotel-Bar-Feeling einfangen, mit Loungemusik, Sängerin und dem Glas Whiskey in der Hand.
Wie habt ihr den Übergang von Covern zu eigenen Songs erlebt?
Isabelle: Wir haben uns das total einfach vorgestellt. Wir dachten, das wird schon nicht so schwer sein. Ein bisschen Schlagzeug, ein bisschen Groove. Beim ersten Mal haben wir wirklich ganz schön blöd dagesessen. Wo fangen wir denn jetzt überhaupt an?
Dario: Über was singe ich? Wir waren ja bis dato Covermusiker. Aber neue Lieder zu schreiben, ist nochmal ein ganz anderer Workflow. Isabelle: Das war ein spannender Moment und von Mal zu Mal fällt es uns leichter. Aber ja, am Anfang steht man erst mal da wie der Ochs vorm Berg.
Haben eure namentlichen Vorbilder noch Einfluss auf eure Musik?
Dario: Unsere Vorbilder sind weiterhin die Chic-Köpfe Nile Rodgers und Bernard Edwards. Die beiden haben wirklich die Ära geprägt. Sie waren neben ihrer Arbeit als Musiker und Songwriter auch Produzenten und irgendwie haben wir im kleinen Stil einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Die entwickelten sich stetig weiter. Dieser Offenheit gegenüber Entwicklungen eifern wir nach. Aber an die Genialität der beiden kommen wir in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr ran.
Isabelle: Aber wir versuchen es. (lacht laut)
Seit knapp zwei Jahren schreibt ihr ja jetzt auch Fastnachts-Musik. Wie kam es dazu?
Isabelle: Wir haben schon immer gerne Fastnacht gefeiert. Klassisch Kneipenfastnacht und sowas. Wir haben festgestellt, dass es in der Mainzer Fastnacht die Musikrichtung Funk so gar nicht gibt. Es gibt viel Getragenes und es hat sich viel in Richtung Schlager entwickelt. Aber so tanzbare, groovige Musik gab es bei der Fastnacht noch gar nicht. Also haben wir bei unserem ersten Song einfach gesagt, wir packen mal alles rein, was uns fehlt. Es sollte richtig funky werden, wie immer in Richtung Vorbild Chic. Damit waren wir auch tatsächlich gar nicht so unerfolgreich. Wir haben gleich in der ersten Saison am Schillerplatz (Mainz) performt. Das war schon cool.
Gab es dabei irgendwelche Zweifel oder etwas, wovor ihr Angst hattet?
Isabelle: Wir hatten keinen Stress. Funkmusik hat eine Liebhaberschaft, aber es gibt viele, die damit nicht so viel anfangen können. Da müssen wir noch ein bisschen Pionierarbeit leisten. Aber wir bleiben dran, wir werden unserem Stil treu bleiben und wir stehen dazu. Wir werden uns nicht verbiegen.
Gab es dann an den Fastnachtssongs etwas, was euch besonders überrascht oder herausgefordert hat?
Isabelle: Ja, ich tue mich manchmal mit den Texten ein bisschen schwer. Ich finde es schwierig, nicht nur klischeehaft von Weck, Woscht, Woi und Konfetti zu schreiben. Gerade bei Fastnachtssongs muss der Text schon irgendwo vordergründig sein.
Dario: Ja, vor allen Dingen ist Fastnacht nicht nur oberflächlich. Die Fastnacht wird ja genutzt, um brisante politische Themen unterzubringen und eine Nachricht zu transportieren. Da muss die Waage gehalten werden, dass es inhaltlich nicht zu hart wird, sondern dass der Zuhörer auch Spaß dran hat. Die Gratwanderung ist spannend.
Gibt es einen merkbaren Unterschied zwischen Fastnachtsauftritten und normalen Auftritten?
Isabelle: Tatsächlich ja. Man hat nur ein oder zwei, höchstens drei Lieder pro Auftritt und maximal 15 Minuten insgesamt. Aus logistischer Sicht sind wir deswegen nicht mit einer Bandbesetzung vor Ort. Also singe ich dann mit Playback. Da muss man auf den Punkt liefern. Ich glaube, da habe ich auch noch Verbesserungsbedarf. Wir sind ja neu in dem Genre, ich bin da immer noch selbstkritisch.
Dario: Du musst auf den Punkt performen, da gibt es kein, ich hole dich (das Publikum) mit drei Liedern ab, sondern im ersten Moment sofort: “Und jetzt, alle Hände hoch!” und du gibst alles. Man hat deutlich weniger Zeit eine Bindung zum Publikum aufzubauen.
Was macht für euch einen Auftritt besonders?
Isabelle: Es gibt wirklich ganz tolle Auftritte, wo man merkt, dass die Leute emotional mitgehen. Und es ist nicht mal die Größe. Natürlich ist es beeindruckend, wenn wir vor 15.000 Leuten stehen. Aber ich mags auch gerne mal intimer, wenn man wirklich merkt, dass man die Leute abholt. Das finde ich schön.
Dario: Ich finde auch, wenn wir eine Zeit lang mehr That’s Chic-Lounge-Auftritte haben, freut man sich wieder auf die große Band. Wenn man nur noch die großen Auftritte macht, dann vermisst man auch wieder kleinere. Die Mischung macht‘s. (überlegt) Wenn die Leute mitgehen, zehrt man wirklich davon. Wenn man um vier, fünf Uhr morgens erst nach Hause kommt, geht man da auch noch nicht schlafen. Dann sitzt man mindestens nochmal eine Stunde zusammen und quatscht über den Auftritt.
Gibt es etwas, was ihr jetzt erst in den letzten Jahren über euch als Künstler, euch als Band gelernt habt?
Isabelle: Als ich angefangen habe, war immer das Ziel maximal zu kopieren. Dann gab es auch – vielleicht auch nicht immer positive – Kommentare, die dann gesagt haben, ich höre immer die Isa raus. Dann hat es irgendwann Klick gemacht und ich habe für mich entdeckt: Es ist ja gerade gut, eine individuelle Stimme zu haben, das macht es doch erst spannend. Ich habe daher aufgehört, das Original kopieren zu wollen, das funktioniert ohnehin nicht. Ich mache jetzt lieber meine eigene Version draus. „Ein Cover muss nicht eins zu eins klingen wie das Original“ ist mittlerweile meine Devise. Und: Mach’ jeden Song zu deiner eigenen Version.
Dario: Mein persönlicher Entwicklungsprozess war die Erkenntnis: Du kannst doch viel mehr kreative Arbeit leisten. Als Covermusiker, da habe ich ja nur meinen Bass gespielt. Als wir die Idee hatten, auch eigene Lieder zu komponieren, dachte ich zuerst, dass ich gar keine Ahnung vom Texten habe. Es gab aber auch niemanden, der es für mich hätte machen können. Also habe ich mich hingesetzt und festgestellt, dass mir für den Songwriting-Prozess eigentlich ziemlich leicht Ideen und Geschichten einfallen.
Ihr steht jetzt seit über zwei Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne. Was treibt euch bis heute an?
Isabelle: Eigentlich immer noch die Musik selbst. Das ist immer noch alles für uns. Wenn alles gut geklappt hat, kommen wir wirklich immer noch strahlend heim und zehren da auch noch immer Tage danach dran. Wir versuchen uns immer weiterzuentwickeln. Man ist ja nie fertig. Es gibt immer wieder neue Ideen, neue Einflüsse. Ich sehe keine Langeweile in Sicht. (schmunzelt)
Dario: Ich kann mich dir nur anschließen. Egal wie gut du bist, du kannst dich immer noch verbessern. Das Ende ist nicht in Sicht. Der Weg ist das Ziel. (lächelt auch)
