

Melodien aus dem Balkan, die Liebe zum Akkordeon und eine besondere Leidenschaft für die Musik – dafür steht Ivan Mikulić. Seit etwa 2018 begeistert der aus Kroatien stammende Musiker mit seiner Band In/Out regelmäßig auf Liveauftritten mit einer Mischung aus Balkan Sounds und internationalen Einflüssen. Im Interview spricht er über seine musikalische Reise, die Entstehung der Band, besondere Begegnungen und einen unerwarteten Radio Hit.
Von Jasmin Mengler
Wie bist du zur Musik gekommen?
Ursprünglich geht das auf meine Mutter zurück. Sie selbst wollte immer gerne Akkordeon spielen. Damals waren die finanziellen Mittel in Kroatien aber einfach nicht gegeben. Deshalb hat sie sich dann öfter das Akkordeon der Nachbarn ausgeliehen, um ein wenig zu spielen. Während sie schwanger mit mir war hat sie ständig dafür gebetet, dass ich später Akkordeon spiele.
Es war also eine Art Herzenswunsch deiner Mutter. Mit wie vielen Jahren hast du dann angefangen zu spielen?
Richtig. Mit ungefähr zwei Jahren habe ich angefangen mich zu der Musik aus dem Balkan zu bewegen. Die ersten vierzehn Jahre meines Lebens bin ich in Kroatien aufgewachsen. Als ich drei Jahre alt war brachte mir mein Vater ein kleines Zwölf-Bass-Akkordeon aus Deutschland mit. Damit hatte ich auf der Hochzeit unserer Nachbarn im Dorf dann meinen ersten Auftritt. Ich weiß noch, das Akkordeon war um einiges größer als ich selbst. Aber die Leute waren amüsiert.
Das Akkordeon ist bekanntlich ein besonderes und nicht gerade einfaches Instrument. Hast du während deiner Schulzeit in Kroatien Unterricht nehmen können?
Ab der dritten Klasse konnte ich parallel zur Grundschule Musikunterricht auf einer Musikschule nehmen. Meine Mutter meldete mich dort an und nach einem erfolgreichen Eignungstest und dem Einsatz meiner Tante konnte ich dort Akkordeon spielen. Ab der siebten Klasse musste ich die Musikschule leider verlassen, weil wir nach Deutschland gezogen sind.
Wie ging es dann in Deutschland mit der Musik weiter?
Ich musste erstmal komplett von neu anfangen, die Sprache lernen und mich an meine neue Umgebung gewöhnen. Die Musikschulen waren hier überwiegend privat und nicht wirklich erschwinglich. Mein Traum war es aber immer noch Musiker zu werden. Ich wollte in Kroatien ursprünglich nach der Schule Musik studieren.
Hast du die Musik hier also erstmal nur hobbymäßig weiterführen können?
Ja. Ich habe dann lange vor allem zu Hause gespielt und mir ein neues Akkordeon gekauft. Ich fing an mir auch das Keyboard spielen beizubringen, weil mir mein Bruder ein Keyboard gekauft hatte. Parallel habe ich trotzdem weiter nach bekannten Musikern aus dem Balkan im Rhein-Main-Gebiet gesucht und bin schließlich fündig geworden.
Wen hast du angetroffen?
Ich traf zufälligerweise auf Anto Filipović, einen der drei besten Akkordeonspieler des Balkans. Er spielte genau die Musik, die ich immer spielen wollte. In der Musikschule lernt man eben überwiegend die Klassiker von Beethoven oder Bach. Ich habe zwar auch andere Genres gehört, interessierte mich aber schon seitdem ich ein kleiner Junge war für die kroatische Volksmusik.
Würdest du sagen, dass dein letzter Lehrer eine Art Vorbild für dich war?
Er war ein Riesenvorbild für mich! Von ihm konnte ich sehr viel mitnehmen, vor allem notentechnisch. Ich kann bis heute nicht begreifen, dass ich erst nach Deutschland kommen musste, um die Musik spielen zu können, die ich immer spielen wollte. Das kam alles sehr zufällig.
Nach vielen Jahren musikalischer Erfahrungen hast du 2018 deine erste eigene Band In/Out gegründet. Wie bist du dazu gekommen?
Noch während ich bei Filipović lernte begann ich zu studieren und fing an die Musik zu vernachlässigen. Nach einem halben Jahr habe ich aber gemerkt, dass ich ohne die Musik nicht mehr ich war. Mit dem Studium ging ich eher dem Wunsch meines Vaters nach. Ich wollte aber einfach immer Musiker sein. Mein Akkordeonlehrer meinte dann zu mir, dass ich auf die Bühne und Erfahrungen sammeln muss, wenn ich wirklich in diese Richtung gehen möchte.
Wo hast du dann die ersten Jahre gespielt?
Ich habe angefangen mit unterschiedlichen Leuten kroatischen Folklore zu spielen und habe dann, bevor ich meine eigene Band gegründet habe, 13 Jahre in anderen Bands mitgespielt. Hierfür bin ich damals jedes Wochenende nach Köln gependelt.
Wie kam deine eigene Band schließlich zu Stande?
Ab einem gewissen Zeitpunkt wollte ich meinen eigenen Weg gehen und vor allem in der Nähe meiner Familie in Hessen bleiben. Zuerst habe ich Terezija, unsere Sängerin, über einen gemeinsamen Kontakt kennengelernt. Ihre Stimme hat mich sofort begeistert. Den Bassisten Danijel traf ich beim Folklore spielen. Wie das dann so ist führt eins zum anderen und ich lernte auch unseren Gitarristen Srećo kennen. Neben dem Akkordeon und Keyboard spielen, fing ich in unserer Band auch mit dem Singen an.
Welche Musik spielt ihr und wo tretet ihr hauptsächlich auf?
Wir alle haben Wurzeln aus dem Balkan und machen daher jugoslawische, seit mehreren Jahren aber auch internationale und deutsche Musik. Wir passen uns immer unserem Klientel an und finden diese bunte Mischung gerade richtig. Hauptsächlich werden wir für Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern, Jubiläen und auch Restaurants oder Bars gebucht.
Gibt es einen Auftritt, an den du besonders häufig zurückdenken musst oder den du als Highlight bezeichnen würdest?
Für mich ist jeder Auftritt ein Highlight. Wenn tontechnisch alles läuft und die Leute Spaß haben, bin ich wunschlos glücklich. Aber der kroatische Abend in der Jahrhunderthalle in Frankfurt, mit einem Publikum von über 10.000 Leuten, bleibt mir besonders in Erinnerung. Meine Band und ich durften dort neben bekannten Künstlern aus dem gesamten Balkan auftreten. Die Technik und Soundqualität in der Halle waren einfach einzigartig.
Habt ihr als Band auch schon eigene Songs aufgenommen? Und wenn ja wie war die Resonanz?
Ja wir haben mehrere eigene Songs. Vor allem ein Song namens „Ptice selice“, was auf deutsch so viel wie Zugvögel bedeutet, ist auf größeren Erfolg gestoßen. Wir hatten ihn ursprünglich für uns als ein Andenken aufgenommen und dann auf YouTube veröffentlicht. Tatsächlich hat mein Cousin eines Tages einfach in unserer Heimatstadt in Kroatien beim Radio angerufen und ihn sich gewünscht. Danach riefen dort immer wieder Leute an, um den Song zu hören. Lokal war er dort plötzlich vier Monate lang auf der Nummer eins. Ich habe später durch Bekannte mitbekommen, dass der Song auch in anderen Regionen Kroatiens zu hören war.
Ihr habt also auch schon einige Erfolge gemeinsam feiern dürfen. Welche Bedeutung würdest du deiner Band abschließend zuschreiben?
Die Band ist für mich ein Ort, an dem wir unsere Träume verwirklichen können. Gleichzeitig haben wir mit ihr ein Stück von unserer Heimat und können musikalisch unsere Kultur ausleben. Die Musik verbindet uns miteinander. Für mich hat das Ganze daher eine emotionale Bedeutung.
