

Kendrick Lamar ist einer der einflussreichsten Rapper seiner Generation. Gemeinsam mit der R&B-Sängerin SZA kommt er nach Frankfurt. Ein Bericht von Timas Deppert.
Zwei ausverkaufte Abende im Deutsche Bank Park zeigen: ein einzelner Termin hätte für Kendrick Lamar und SZA in Frankfurt am Main nicht gereicht. Nachdem das Konzert am 4. Juli 2025 innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war, legten die Veranstalter eine Zusatzshow am darauffolgenden Abend nach – und auch diese war ebenso schnell ausverkauft. Über 60.000 Besucher strömten an besagtem Samstagabend in das Stadion und setzten damit den starken Auftakt der „Grand National Tour“ in Deutschland fort.
Den Abend eröffnete Mustard – DJ, Produzent und langjähriger Kollaborateur und musikalischer Wegbegleiter von Kendrick Lamar. Ab 19 Uhr brachte er das Stadion mit internationalen Hits und lokalem Bezug wie Haftbefehls „069“ früh in Bewegung. Gegen 20 Uhr begann das rund dreistündige Hauptprogramm mit Lamars Auftritt. Ein schwarzer Buick GNX, das ikonische Fahrzeug seines 2024 erschienenen Albums „GNX“, wurde auf den hinteren Teil der Bühne geliftet. Als die ersten Takte einsetzten, öffnete sich die Tür und Lamar stieg aus dem Wagen – ein inszenierter Einstieg, der den Beginn seines Sets markierte.
„They not like us“
Kendrick Lamar, einer der einflussreichsten Rapper seiner Generation und bekannt für seine politisch aufgeladenen, gesellschaftskritischen Texte, konzentrierte sich im ersten Showblock auf Songs des neuen Albums sowie auf Klassiker wie „tv off“, HUMBLE.“, „Money Trees“ und „Not Like Us“. Letzterer, einer der meistdiskutierten Songs des Jahres 2024, sorgte für spürbare Energie im Stadion. In der markanten Passage vor dem Refrain sangen Tausende die Zeile „A minor“ mit, bevor Lamar in die Hook – „They not like us, they not like us, they not like us“ – überging. Bei Stücken wie „family ties“ oder „Alright“ bildeten sich im Innenraum mehrere Moshpits, was die Dynamik und Energie seines Auftritts zusätzlich unterstrich.
Im Anschluss übernahm SZA mit einem eigenen Set, geprägt von Pop-, R&B- und Contemporary-Elementen. Die Sängerin, die mit ihrem Album „SOS“ internationale Maßstäbe gesetzt hat und in ihren Songs häufig Themen wie Selbstzweifel, Beziehungen und Selbstfindung verarbeitet, präsentierte Hits wie „The Weekend“, „Kill Bill“, „Snooze“ und „Good Days“. Ihre klare, melodische Stimme und die ruhiger gehaltene Bühneninszenierung schufen eine Art Kontrast zu Lamars energiegeladenem Auftakt. „Ich war überrascht, wie klar die Stimme trotz der Stadiongröße rüberkamen“, sagte Gideon Kebede, 22, aus Frankfurt am Main, der auch am Vortag anwesend war. „Man hat gemerkt, dass die Technik wirklich auf beide Künstler zugeschnitten war.“
Gänsehautmoment bei Dämmerung
Zu den emotional stärksten Momenten des Abends zählten die gemeinsamen Auftritte der beiden Künstler. Besonders bei „All the Stars“, ihrem gemeinsamen Welthit, setzte ein Gänsehautmoment ein: mit Einbruch der Dunkelheit aktivierten tausende Besucher ihre Handylichter, sodass sich ein leuchtendes Panorama über das gesamte Stadion legte. „Die Kombination der beiden hat das Konzert besonders abwechslungsreich gemacht“, sagte Kebede. „Man hatte das Gefühl, dass jeder Musikgeschmack irgendwo abgeholt wurde.“
Für das Abschlusssegment kehrten Lamar und SZA gemeinsam zurück. Mit einem letzten gemeinsamen Block beendeten sie die Show, bevor sie in den Buick GNX stiegen, der wieder in den hinteren Bühnenbereich geliftet wurde, und die Bühne unter donnerndem Applaus verließen. „Das war einer der stärksten Live-Auftritte, die ich je erlebt habe“, so Kebede. „Keine unnötigen Pausen, keine Experimente – einfach eine klar strukturierte, beeindruckende Show von zwei unglaublichen Künstlern.“
Das Konzert endete gegen 23 Uhr. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit dem Ablauf beider Frankfurt-Termine. Mit der zweiten Show in Frankfurt schloss die „Grand National Tour“ ihren Deutschlandteil ab, bevor Lamar und SZA in den Niederlanden weitermachten. Für die Fans markierte der 5. Juli das Ende eines außergewöhnlich stark besuchten Konzertwochenendes, das musikalisch wie organisatorisch auf breites positives Echo stieß.
