

Die Wolkenausstellung des Hessischen Landesmuseums wirft nicht nur einen Blick auf die Kunst des Wetters, sondern auch auf die Arbeit von Wissenschaftlern. Ein Bericht von Jennifer Traub.
Wolken sind die großen Unbekannten im komplexen Klimasystem Erde. Sie beeinflussen unser Wetter sowie unser tägliches Leben und dennoch wissen wir zu wenig über sie. Die Ausstellung „Wolken. Erleben und Verstehen“ bietet die Brücke zwischen Laien und Naturwissenschaft. Mit multimedialer Visualisierung werden verschiedene Wetterereignisse gezeigt und wissenschaftliche Erkenntnisse demonstriert. Ziel ist es, am Ende der Ausstellung verschiedene Wolkengattungen unterscheiden zu können und einen Einblick in die aktuelle Wolkenforschung zu bekommen.
Der Blickfang der Ausstellung befindet sich direkt im Eingang. Eine große Gewitterwolke im Maßstab 1:3300 schwebt hier über dem Grundriss von Darmstadt. Das Konstrukt wiegt ganze 48 Kilo und besteht im Inneren aus Traversen und Seilen. Um dieses Modell auf die Beine zu stellen, habe Noa Groß, die Präparatorin in der Zoologie, mit einer besonderen Firma zusammengearbeitet. Innerhalb von zwei Monaten wurde die große Wolke in einem komplexen Verfahren zusammengebaut.
Um das Modell möglichst genau darzustellen, habe man viel experimentiert. Schließlich entschieden sie und ihr Team sich für eine bestimmte Thermoplaste, namens Varaform. Diese hat die Eigenschaft, beim Erhitzen sehr elastisch und formbar zu werden.

Nicht nur die große Gewitterwolke ist hier zu sehen, sondern auch hohe Feder-, Schleier- und Schäfchenwolken. Jede Wolkengattung hat auch ihre eigenen optischen Eigenschaften. „Für die Cirrostratus wurden unter anderem noch natürlich ausgefallene Straßenfedern für die Struktur benutzt. Die Stratuswolken sind mit verschiedenen Wollarten bedeckt. Die kleinen Rohlinge bestehen aus Styropor und einem Mattlack namens Edelcurrant, welches den kleinen Wolken ein reines Weiß verleiht.“, erklärt Noa Groß.
Da in der Naturwissenschaft Modelle Miniatur seien und sie versuchen, die Wolken so genau es geht darzustellen, haben sie sich für eine Reduzierung entschieden, sich aber dabei auf die wesentlichen Eigenschaften und „Knackpunkte“ des Modells fokussiert. Die 3D-Modelle sollen die Eigenschaften der Wolken greifbarer machen und als Eyecatcher funktionieren.
Wetterphänomene visualisiert
Im Museumspodcast des Hessischen Landesmuseums ,,Das Grüne Sofa“ spricht Dr. Katja Horneffer darüber, wie wichtig es ist, sich in der dieser Ausstellung für Naturphänomene begeistern zu lassen. In zwei Vitrinen veranschaulicht das Hessische Landesmuseum jeweils ein besonderes Phänomen. So wird die Verschleppung von Lebewesen durch den Wind („Verdriftung“) und der Tierregen detailgetreu dargestellt.
Die Visualisierung der Verdriftung zeigt, dass mithilfe der Wolken und des Windes entlegene Gebiete besiedelt und ein Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt geleistet wird. Hingegen ist der Tierregen an Starkwetterereignisse geknüpft und endet meist mit dem Tod für die Lebewesen.
Einblick in die Welt der Forscher
Möchte man einen Einblick in den Forschungsalltag von Wissenschaftlern bekommen, gibt es noch die Möglichkeit, einen 360-Grad-Rundgang in der Simulationskammer AIDA zu erleben. Hier erhält der Zuschauer einen Eindruck vom Vorgehen im Wolkenlabor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. In der Anlage werden Auswirkungen von Aerosolen und Spurengasen auf das Klima untersucht sowie Experimente durchgeführt.
Über einen Touchscreen ist es möglich, diese Umgebung zu erkunden. Mit Pfeilen bewegt sich der Zuschauer von einer Station zur nächsten und entdeckt Hotspots mit spannenden Zusatzinfos. In einem YouTube-Video erklärt Ottmar Möhler, ein Physiker vom Institut für Meteorologie, über die Relevanz der Aerosolpartikel und welche Relevanz diese in der Wolkenbildung spielen.
Mit VR-Brille in den Wolken
Die VR-Station bietet eine Möglichkeit, in die Welt der Wolken zu blicken. Beruhigende Klaviermusik ertönt aus den VR-Brillen und begleitet einen bei der Reise durch sonnige Gebirge, bei denen man über den Wolken schwebt, sowie durch Täler. Einen Kontrast bieten die Tornadoaufzeichnung und das Befinden in einem Starksturm, welche nicht von Musik begleitet werden. Das VR-Erlebnis zeigt die Immersivität und Flexibilität der Wolken(arten).

Ist der Kopf von allen Eindrücken voll, bietet das Wolkenzimmer zuletzt einen entspannten Ausklang der Ausstellung. Auf speziell entworfenen Stühlen darf man nun den Tageszyklus der Wolken genießen. Aber Achtung, nur im Sitzen, da sich die Stühle direkt an der Treppe befinden und somit Sturzgefahr besteht.
Die Ausstellung ist vielfältig, aber nicht vollständig. Dafür gibt es aber Sonderveranstaltungen, wie öffentliche Führungen zur Materialkunde der Wolkenausstellung oder ein „Wolkenspaziergang“ durch die Gemäldegalerie. Kinder können durch Virtual Reality und diverse Abbildungen einen guten Einblick in die Welt der Wolken erhalten. Erwachsene dürfen durch zahlreiche Erklärungstafeln und Führungen ihr Wissen erweitern. So ist die Ausstellung für Klein und Groß geeignet.
