

Die Techno-Ausstellung im Museum of Modern Electronic Music zeigt die lange Geschichte von Clubkultur und elektronischer Musik in Frankfurt. Ein Bericht von Liliane Diesterweg.
Bis zum Morgen feiern, laute und schnelle Beats, harte Bässe, Freiheit, loslassen und ohne Sorgen tanzen. Techno entstand als neues Genre der elektronischen Musik Mitte der 80er Jahre und vereint all das.
In der „OMEN Club Frankfurt 1988-1998 – New Electronic Ecstasy” Ausstellung im Museum of Modern Electronic Music können Musikfans in die Welt des Frankfurter Techno eintauchen. Der Club Omen, der sich früher in der Junghofstraße befand und zehn Jahre lang jedes Wochenende Menschen aus der Techno-Szene zusammenbrachte, findet hier eine neue Bühne.
Beim Eintreten begrüßt das an der Hauptwache gelegene MoMEM seine Besucher mit lauter elektronischer Musik. Dunkelheit und türkisblaue Neonlichter gestalten die Atmosphäre. An den Wänden hängen Bilder von Partys im Omen aus den 90ern, dazu Beschreibungen, Fakten und Erklärtexte zur Entstehungsgeschichte und den wichtigsten DJs.
Ein neues Freiheitsgefühl
Omen-Gründer Sven Väth, Michael Münzing und Matthias Martinsohn eröffneten im Jahr 1988 den Club, der aus seinem Vorgänger Vogue entstand. Einige Beliebte DJs, die dort auflegten, waren damals neben dem Mitgründer Sven Väth unter anderem Carl Cox, Frank Lorber, Toni Rios und Jeff Mills. Raver aus den unterschiedlichsten Orten über das Rhein-Main Gebiet hinaus und aus den verschiedensten Lebenssituationen trafen jede Woche aufeinander, um gemeinsam zu feiern.
Der Mauerfall in Berlin und die Wiedervereinigung Deutschlands entfachten zu dieser Zeit ein neues Freiheits- und Gemeinschaftsgefühl im Land, was zur Feierlaune beitrug. Nach einem Jahrzehnt endete die Ära des Clubs und er schloss seine Türen für immer. Vor der Schließung des Omen 1998 fand ein Partywochenende zum Abschied statt, welches ein letztes Mal hunderte von Menschen zusammenbrachte, die unermüdlich tanzten und sich über die gesamte Straße verteilten. Für die elektronische Musik in Deutschland und auch ganz Europa war der Club ein Vorreiter. Diesen können Besucher jetzt, rund 40 Jahre später, in der Ausstellung im MoMEM kennenlernen, nur wenige Meter vom Standort des damaligen Omen entfernt.
Mit Virtual Reality in die Clubnacht
Die Multimedia-Exposition bietet ihren Gästen verschiedene Möglichkeiten, das Feiern neu zu erleben, unter anderem durch Virtual Reality Brillen. Diese hängen von der Decke und beim Aufsetzen taucht man in eine Clubnacht von damals ein: Entweder in der Menschenmenge, oder am DJ-Pult. Auch wer selbst kein Raver ist, wird in die Stimmung versetzt.
Weiter hinten im relativ kleinen Ausstellungsraum sind alte Musikboxen, Plattenspieler, die man heute nicht mehr kennt, sowie mehrere Albumcover von früher zu finden. Wie auch die VR-Brillen, hängen überall im Raum verteilt Kopfhörer von der Decke, die beliebten elektronischen Tracks aus den Jahrzehnten von den 1980ern bis zu den 2010ern spielen. Künstler, Songname und Releasejahr sind auf dem Boden zu sehen. Für den eigenen Lieblingssong kann man nach dem Hören auf einem Bildschirm abstimmen.
Zwischen DJ-Pult und Tanzfläche
Es dauert eine Weile, sich wirklich alles anzuhören, aber wer sich darauf einlässt, kann erkennen, wie sich die Musik im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Alles findet im eigenen Tempo statt. In separaten Räumen werden einerseits alte Keyboards verschiedener Hersteller ausgestellt, andererseits stehen DJ Pults mit Erklärvideos zum Ausprobieren zur Verfügung.
An unterschiedlichen Stationen mit Mischpulten können die Besucher eigene Beats erstellen oder sich einfach nur die Technik anschauen. Nicht nur über das Omen selbst wird an den zahlreichen Infotafeln Wissen vermittelt, sondern auch über die Produktion von elektronischer Musik allgemein und die technischen Hintergründe.
Einige der gezeigten Ausstellungsstücke sind durch Crowdfunding und Spenden bereitgestellt worden. Die Bilder an den Wänden zeigen im Wechsel feiernde Menschen von früher bis heute. Besonders auffällig: Party-Besucher aus der Corona-Zeit, die beim Tanzen eine Maske tragen. Merch von DJs wie T-Shirts und Hoodies, aber auch Musik können nach dem Durchgang durch das MoMEM am Ende im kleinen Shop gekauft werden.
Noch bis März 2026 geöffnet
„Super interessant.”, beschreibt eine begeisterte Besucherin ihre Eindrücke. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich zeitweise ein bisschen in meine Jugend versetzt fühle. Die meisten Lieder kenne ich auch noch aus der Zeit, als ich jung war. Es ist ein Trip in die Vergangenheit.”
Die Zielgruppe sind vor allem Menschen, die damals selbst gerne im Omen feierten und sich an die Zeit zurückerinnern möchten. Allerdings können auch jüngere Techno-Fans und andere Musikinteressierte hier etwas lernen. Wer klassische Museen langweilig findet, wird hier nicht enttäuscht.
Für regulär zwölf und ermäßigt acht Euro kann die interaktive Ausstellung noch bis März 2026 besucht werden. Durch die Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag 13-19 Uhr ist es an den einzelnen Tagen nicht so voll, sodass man kann sich in Ruhe umschauen und die Musik genießen kann.
